
Die Legende der Amelander Schalken
Vor langer Zeit, als das Leben auf Ameland hart war und die Inselbewohner von den Launen des Meeres abhängig waren, ereignete sich eine Geschichte, die noch immer im Wind um die Insel geflüstert wird.
Die Geschichte der Amelander Schalken
Zu jener Zeit war Strandgut sammeln keine Freizeitbeschäftigung, sondern eine bittere Notwendigkeit. Alles, was das Meer hergab – sei es Holz, Seile oder wertvolle Ladung –, wurde von den Inselbewohnern mit offenen Armen empfangen. Schiffe, die auf den tückischen Sandbänken des Wattenmeers sanken, hinterließen ihre Schätze am Strand. Doch wo wertvolle Güter an Land gespült wurden, waren stets Räuber nicht weit.
Holzdiebe
Die Inselbewohner fürchteten vor allem die Holzdiebe vom nahegelegenen Terschelling. Regelmäßig tauchten Schatten fremder Männer an den Stränden von Ameland auf, deren gierige Hände das Holz von Schiffswracks fortschleppten. Es hieß, dass sie in dunklen Nächten sogar kleine Boote voller Ladung zu ihrer eigenen Insel zurückzogen. Für die Amelander, die jedes Brett zum Bau von Häusern und Booten benötigten, war dies eine schwere Beleidigung.

Klare Nacht
In einer klaren Nacht, im Licht des kalten Vollmondes, beschlossen drei Amelander Schalken (Strandräuber), dass es genug war. Lautlos schmiedeten sie einen kühnen Plan. Mit einem kleinen, schnellen Boot setzten sie nach Terschelling über, wo die feindlichen Strandräuber nichtsahnend ihre Beute am Strand liegen hatten. Die drei Männer warteten, bis die Nacht am dunkelsten war, und schleppten drei schwere Balken vom Strand fort. Diese Balken waren nicht nur ein einfacher Fund – sie standen symbolisch für den Diebstahl, den die Amelander immer wieder ertragen mussten.

Die Warnung
Mit den Balken fest an ihrem Boot verzurrt, fuhren die Männer zurück nach Ameland. Wieder zu Hause, schleppten sie die Balken in die Dünen zwischen Hollum und Ballum. Dort errichteten sie einen Galgen – ein provokantes Symbol, das als Warnung für jeden gedacht war, der es wagte, noch einmal von den Amelandern zu stehlen.
Die Legende besagt, dass die Terschellinger wütend waren, aber sich nie wieder trauten, einen Fuß auf Ameland zu setzen.
Wappen und Flagge

Reim
Die Geschichte wurde im Laufe der Jahre in einem Reim zusammengefasst, der bis heute weiterlebt:
De Amelander schalken,
hebben gestolen drie balken.
Des avonds in de maneschijn,
daarom zal dit hun wapen zijn.
Die Amelander Schalken,
Haben drei Balken gestohlen.
Am Abend im Mondenschein,
Darum soll dies ihr Wappen sein.
Die drei Balken und der zunehmende Mond aus dem Reim leben im Wappen und in der Flagge von Ameland weiter – ein stolzes Symbol für den Einfallsreichtum und die Entschlossenheit der Inselbewohner.
Die Statue der Schalken
In Hollum, nahe dem alten Dorfkern, steht ein besonderes Relief, das diese Legende ehrt. Das Kunstwerk, geschaffen von David van Kampen, zeigt drei Figuren, jede mit einem schweren Balken, gehüllt in das geheimnisvolle Licht des Mondes. Die Statue wurde 1984 der Gemeinde Ameland geschenkt.
Wenn man das Relief betrachtet, spürt man fast den Geist der Schalken. Man erkennt ihren Durchhaltewillen und ihren Stolz, aber auch ihren Kampfgeist, mit dem sie ihr Inselreich und ihre Gemeinschaft schützten. Das Kunstwerk erinnert jeden daran, dass die Stärke von Ameland nicht nur in der Natur oder im Meer liegt, sondern vor allem in den Menschen, die die Insel bewohnen und liebevoll bewahren.

Standort der Statue der Schalken
Platsoenstraat 1
9161 BM Hollum
Mehr über das Strandgut sammeln

Rixt van het Oerd
Es gibt noch eine weitere bekannte Strandräubergeschichte, die tief in der Geschichte Amelands verwurzelt ist: die Geschichte von Rixt van het Oerd. Diese legendäre Figur aus Buren ist bekannt für ihre listigen und dunklen Machenschaften, mit denen sie Schiffbrüche verursachte, um die angespülten Waren zu bergen. Neugierig auf ihre Geschichte?

Eine jahrhundertealte Tradition
Das Strandgut sammeln ist seit Jahrhunderten eine Tradition auf Ameland und ein wichtiger Teil der Inselgeschichte. Möchtest du mehr über diese einzigartige und abenteuerliche Tätigkeit erfahren?